[Mi-8 Salon]
Betrieb und Steuertechnik des Mi-8 S (Salonnyi)
 
Standard: NVA (Baujahr bis 1981)
 
Der Hubschrauber Mi-8S mit zwei Gasturbinentriebwerken TW2-117A ist bestimmt zum Befördern von Personen mit Landung auf unvorbereiteten Plätzen sowie zur Erfüllung anderer Spezialaufgaben. Die Besatzung besteht aus zwei Hubschrauberführern und einem Bordtechniker. Die Arbeitsplätze des ersten und zweiten Hubschrauberführers wurden nebeneinander symmetrisch zur Längsachse des Hubschraubers angeordnet. Links befindet sich der Sitz des 1. Hubschrauberführers, der 2.HSF sitzt rechts, ein Klappsitz für den Bordtechniker befindet sich dazwischen, versetzt nach hinten.
Die Tragschraube besteht aus fünf Blättern. Das tragende Element eines Blattes ist der Holm aus Aluminiumlegierung. Die Tragschraubennabe ist mit Schlag- und Schwenkgelenken sowie Schlag- und Fliehkraftbegrenzern versehen. Die Schwingungen der Blätter um das Schwenkgelenk werden durch Hydraulikdämpfer gedämpft.
 
Die Steuerung des Hubschraubers besteht vorwiegend aus Gestängen. Seile werden nur zum Steuern der Tragschraubenbremse und –teilweise- zum Steuern der Heckschraube sowie zum Abstellen der Triebwerke verwendet.
Die Gesamtsteigung der Tragschraube und die Triebwerke werden mit dem Gassteigungshebels gesteuert, der kinematisch mit dem Schrägsteller und gleichzeitig mit den Reglerpumpen gekoppelt ist. Die automatische Drehzahlregelung der Tragschraube übernehmen der Drehzahlregler der Losturbine und der Leistungssynchronisator. Das automatische Drehzahlregelsystem (Hauptregelsystem) arbeitet, wenn das Drehgas nach rechts gedreht ist.
Zur Versorgung der hydraulischen Kraftverstärker im Steuersystem (Kurs- und Quersteuerung, Steuerung der Gesamtsteigung der Tragschraube) dienen zwei Hydrauliksysteme (Haupt- und Notsystem).
 
Zum Bekämpfen eines Brandes im/am Hubschrauber sind stationäre und transportable Feuerlöschmittel vorhanden. Die stationären Mittel schützen den Raum unter der Verkleidung des rechten sowie linken Triebwerks, den Raum des Hauptgetriebes und des Kraftstoff-Entnahme-Behälters sowie den Raum des Heizgerätes.
 
Zum Gewährleisten der Flugsicherheit bei auftretender Vereisung der Tragschrauben- und Heckschraubenblätter, der Frontscheibe der Besatzungskabine sowie der Einläufe der Triebwerke sind in die genannten Teile Enteisungsanlagen eingebaut. Die Blätter und Sichtscheibe werden elektrisch, die Lufteinläufe der Triebwerke durch Heißluft (von den Verdichtern) beheizt.
Die hinteren Ausgangswellen der Triebwerke sind mit dem Hauptgetriebe gekoppelt, welches die Drehzahl herabsetzt, die Leistung beider Triebwerke addiert und auf die Ausgangswellen der Trag- und Heckschraube überträgt sowie den Antrieb der Hilfsaggregate (Ventilator, Hydraulikpumpen, Kompressor, Wechselstromgenerator) übernimmt. Zur Kraftübertragung gehören außer dem Hauptgetriebe, die Heckwelle, das Zwischen- und Endgetriebe. Das Endgetriebe, an dessen Abtriebswelle die Heckschraube befestigt ist, setzt mit Hilfe von zwei Kegelrädern mit spiralförmigen Zähnen die Drehzahl herab und verändert die Richtung der Abtriebswelle um 90 Grad.
 
Zu den Start- und Landeeinrichtungen des Hubschraubers gehören das nicht einfahrbare Dreibeinfahrwerk und der Hecksporn. Die Hauptfahrwerke sind mit Druckluftbremsen versehen. Das Bugrad ist steuerbar, ohne Bremse und verriegelt im Flug.
Für Aussenlastflüge vorgesehene Scheinwerfer (am Hauptfahrwerk untergebracht)  hatte der Salonhubschrauber nicht, wohl aber eine "Vorrüstung", allerdings ohne verlegte Elektrik.
Ein Stabilisator am Heckträger (zwischen Spant 13 und 14) soll das buglastige Moment im Horizontalflug ausgleichen sowie den Hubschrauber bei Ausfall beider Triebwerke im Autorotationsflug schnell in eine buggesenkte Lage bringen.
 
Ein Hecksporn ist am Spant 14 und 15 angebracht, bestehend aus Stoßdämpfer, Streben und einer federbelasteten Kufe.
 
Auffälligkeiten
 
Die Hauptkabine des Mi-8 Salon ist ein repräsentativer Arbeits- und Konferenzraum, der besser isoliert war. Der Boden ist mit rotem Teppich ausgelegt, die Wände zwischen den je 5 rechteckigen Aussichtsfenstern mit Sonnenblenden sind holzgetäfelt. Links befinden sich zwei Sitzbänke mit vier und zwei Plätzen, getrennt durch eine Tischablage, rechts zwei bequeme mit Leder und Kordsamt bezogene nicht drehbare Klubsessel, ein Tisch sowie der Arbeitsplatz für einen Adjutanten. Auf dem Tisch befindet sich ein Intercom-Telefon, welches zur Kommunikation zwischen der Besatzung und den Passagieren dient. Ein aufklappbares Barfach befindet sich eingefasst in der Trennwand zum Heckraum.
Die Passagiertreppe im Heck, aber auch die größeren seitlichen Kraftstoffbehälter sind äußere Kennzeichen des Mi-8S. Im Heck sind links ein Toiletten- und Waschraum und rechts ein Gepäckraum mit Garderobe untergebracht sowie der zweite Einstieg (Tür klappte nach oben und unten auf, mit Treppe). Der Heckraum ist durch eine Zieharmonikatür von der Passagierkabine getrennt.
 
Die Bordküche1 und 2 sowie die Besatzungsgarderobe sind im Vestibül, zwischen Cockpit und Salon, in Höhe der Backbord-Schiebetür eingebaut. Ein klappbarer Notsitz für den Steward befindet sich an der Cockpitrückwand.
Die regelbare Frischluftzufuhranlage sowie eine unabhängig von den Triebwerken zu betreibende Heizung sorgen für weiteren Komfort.
Im Vergleich zum Mi-8S anderer Nationen waren der NVA Mi-8S ohne DIW-1 (Dopplerradar-Antenne, in einer kastenförmigen Verkleidung unter dem Heckträger montiert). Mittels DIW-1 erfolgt die Anzeige der ermittelten Geschwindigkeiten in einem Kreuzzeigergerät mit senkrechtem und waagerechtem Zeiger für die Bewegung in Quer- und Längsrichtung - geeignet beim Langsamflug (z.B. Kranflug).
 
Der Mi-8S hatte sichtbar einen kleinen „Kasten“ für den Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder zur Erfassung von 50 Parametern unter dem Heckträger. Der NVA Mi-8S wurden unter strengster Auswertung wichtigster Flugdaten mit dem SARPP-Schreiber (Daten wurden auf einen Film geschrieben, der sich in einer feuersicheren Kassette befindet) ausgestattet. Aufgezeichnet wurden die analogen Signale: Flughöhe, Geschwindigkeit, Tragschraubenschritt, Tragschraubendrehzahl, Längsneigung, Querneigung sowie Binärsignale: Kraftstoffrest 300 l, Ausfall Schmierstoff-/ Kraftstoffpumpen, Ausfall des Hydraulikhauptsystem, Ausfall des Hydrauliknotsystems, Brand, Enteisung manuell eingeschaltet (rechtes und linkes Triebwerk getrennt).
 
Für die Navigation fehlte damals das Nahnavigationssystem RSBN (ein Funknavigationssystem für kleinere Reichweiten- wie in der MiG vorhanden), ein Instrumentenlandesystem (ILS), ein VOR zur Ermittlung der Peilung zu einem Funkfeuer gemeinsam mit einer Entfernungsermittlung per DME sowie einen Transponder. Die doublierende Instrumentenausrüstung auf Basis NDB erlaubten immerhin das „Allwetter- Fliegen“ tags: Wolkenuntergrenze bis 50 Meter und Horizontalsicht 500 Meter sowie nachts: Wolkenuntergrenze bis 70 Meter und Horizontalsicht 100 Meter.
 
Bis Baujahr 1977 waren die Hubschrauber weiß lackiert und hatten in Fensterhöhe, beidseitig zum Heck rot-weiße Streifen entlang Lufteinlauf, untere Triebwerksverkleidung, mittig auf dem Heckträger zum Endträger aufgespritzt, mit Hoheitszeichen am Ende der Fensterreihe zum Hecktor. Die in schwarz geschriebene taktische Nummer befand sich sichtbar auf dem Heckträger. Eine rote Banderole auf dem Endträger und die in rot gehaltene Fläche um das Abgasrohr waren die äußeren Zeichen.
Die rot/weiße Bemalung sorgte bei Gefechtsdiensten und Übungsflügen sehr oft für Verwirrung, da man annahm, dass hochrangige Personen beförderte werden könnten und so immer Hektik aufkam. Daher wurden dann auch die Mi-8S in der KRS bzw. in der GÜ (ab 1500 STD bzw. 7 Jahren in der Luft gings zur GÜ nach Szigetalom bei Tököll nähe Budapest) einen NVA-grün gescheckten Tarnanstrich matt lackiert erhalten. Ab 1980 kamen dann bereits Mi-8S aus dem Mil-Werk in Kazan im grünen Glanzlack über alles, später im bekannten NVA-Tarnanstrich.
Die Scheibenwischer waren klein (im Gegensatz zu Mi-8TB) und ohne Waschanlage. Es befand sich außen links am Rumpf sichtbar im Falle von Funkausfall eine Abschußmöglichkeit für Leuchtraketen grün, rot, weiß und gelb je 2 x, die sichtbar die Kommunikation zum Boden ermöglichten (Abschuss grün = Landung verstanden).
 
Sonstiges:
 
Wegen der Flüge in zivilen Kontrollzonen war der Hubschrauber Mi-8S der NVA als weitere Besonderheit mit zwei Funkstationen R-860 (eine als Reservefunkstation bei Ausfall) ausgerüstet. Bis in die 80iger Jahre wurde auch eine zusätzliche Sprechverbindung zur Außenwelt vom Adju-Platz (bei Politbüro-Flügen, wurde durch das MfS ständig Kontakt aufrechterhalten) mitgeführt - wurde aber später ausgebaut.
Einige Mi-8S bekamen auch eine zweite Majak (Rund-um-Leuchte) unter dem Rumpf (60W Leistung, 15° horizontaler Öffnungswinkel, 90 Umdrehungen pro Minute).
Um eine ordnungsgemäße Erfüllung eines Einsatzfluges zu garantieren, hielt man stets einen weiteren Hubschrauber technisch in Bereitschaft, der mit einer zusätzlichen Besatzung bei technischem Vorkommnis sofort nachgeführt worden wäre.
 
Über eine nachfolgende "Hubschrauberflotte" in der 3. HS wurde in den 1980iger Jahren nachgedacht, dabei sollte ein Nachfolgemuster des Mi-8S geordert werden (ist nicht überliefert, ob bestellt!!). Den Anforderungen und der Entwicklung sollte es ein Salonhubschrauber auf der Basis des Mi-8MT (später auch als Mi-17 bekannt) werden.
 
hier weitere Details:
Ausrüstung : Navigations- und Funkausrüstung wie Mi-8T
Salon-Innenraum: 6,42 m x 2,20 m x 1,82 m
Schwebe (Hover)-außerhalb Bodeneffekt: 800 m
Schwebe (Hover)-mit Bodeneffekt: 1900 m
vertikale Steiggeschwindigkeit: 9 m/s
Marschgeschwindigkeit: 190 km/h
Kraftstoffvorrat: 2615 l
Startmasse 10500 kg
Startgewicht max. 12000 kg
Keine Bewaffnung
Kosten: $3,200,000 (neu oder gebraucht: $ 900,000 (Baujahr 1991))